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H1Z1: Brombeersammelsimulator oder handfestes Zombie Survival?

Vor wenigen Tagen hat Sony Online Entertainment’s hauseigener Zombietitel H1Z1 das Licht der Gamingwelt erblickt. Allerdings erwies sich das als schwere Geburt, denn neben zahlreichen „G-Fehlern“ kritisierten viele User die Monetarisierung des später als Free 2 Play geplanten Titels. Ein großes Problem war das Crashen des Games noch vor dem eigentlichen Start, ein anderes der nicht akzeptierte SOE Account.

Für beide Fehler gibt es mittlerweile einen Patch. Wer die Probleme immer noch hat, muss Steam als Administrator starten und dann sollte der Käse gegessen sein. Auch beim Lootspawn und dem Hungersystem wurde nachkorrigiert, so findet sich jetzt schon deutlich mehr in der Welt und der Magen grummelt auch bei weitem nicht mehr so schnell. Selbst bei den laut verschrieenen Airdrops kam SOE zur Einsicht und bastelte an dessen Bedingungen. Wie aber schlägt sich H1Z1 mit diesen Veränderungen im Praxistest?

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Server made in US – doch für jeden Typ etwas dabei

Hat man das Startmenü hinter sich, steht der Spieler zunächst vor der Wahl, welche Art Server es denn sein soll. Hier ist für jeden Spieltyp etwas dabei. Hartgesottene PVP Fans finden Hardcore Server vor, bei denen strenge Regeln herrschen. Dort sind z.B. nur Headshots ein Treffer, gelernte Baupläne werden beim Tod entfernt und es besteht der Zwang in First Person zu spielen. Natürlich sind aber auch friedliche Seelen bedacht worden, denn die reinen PVE Server bieten entspannte Spielatmosphäre, bei denen sich Spieler nicht gegenseitig verletzen können.

Wer es noch extremer als PVP mag, kann sich auf den Battle Royal Servern vergnügen, muss dafür aber Event Tickets besitzen. Zu Release gab es hauptsächlich US Server, die wenigen EU Server waren sehr überlaufen und so musste man entweder auf den EU Servern wenig Loot und keinen Bauplatz, oder nervige Lags und tödliche Verzögerungen auf den US Servern aufgrund der Entfernung in Kauf nehmen. Seit 22.1.15 gibt es jedoch eine Menge neuer EU Server, die genug Platz für alle Fans aus Europa bieten.

Auf der relativ großen Map von H1Z1 spawnt der Charakter völlig willkürlich. Zwar ist oft eine große Straße oder eine Ansiedlung in der Nähe, jedoch kann nicht behauptet werden, hier oder da wäre ein bestimmter Spawn Punkt. Das macht die Orientierung erstmal richtig schwierig. Hier bieten sich ingame viele Hilfestellungen wie Ortsschilder, Map Ausschnitte und Straßennamen oder sogar improvisierte Kompasse an. Markante Punkte, wie die Radio Station, helfen ebenfalls sehr gut bei der Wegfindung um eventuelle Mitspieler zu treffen. Die Karte ist groß genug, sich aus dem Weg zu gehen, in den Ballungsgebieten um die Städte ist die Spieleranzahl für gewöhnlich hoch.

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Looting in the Rain

Das Wettersystem in H1Z1 geht einem manchmal ziemlich auf den Keks. Heiterer Sonnenschein mit weitem Sichtfeld herrscht an den wenigsten Tagen vor. Dichter, undurchsichtiger Nebel, gepaart mit gar nicht mal so gut animierten Regen ist das vorherrschende Wetter. Bei dieser Brühe beträgt die Sicht nur wenige Meter, was sich nicht gerade hilfreich auf die Suche nach lootbaren Orten auswirkt.

Diese Lootplätze sind zu Beginn des Games sehr wichtig, denn zum Start sind die Taschen des Überlebenden bis auf Verbände und Leuchtfackeln leer. Essen und Getränke, sowie erste Waffen müssen angekarrt werden, um in dieser trostlosen Gegend nicht zu krepieren. Dabei sind nicht einmal die Küchen der verlassenen Häuser die besten Fundorte, sondern die Natur bietet mit ihren zahlreichen Brombeerbüschen die beste Alternative.

Die schwarzen Früchtchen helfen nämlich praktischerweise nicht nur gegen knurrende Mägen, sondern auch gegen Durst und können mit hoher Wahrscheinlichkeit einen stabilen Ast als Waffe droppen. Daher sind wohl 90% aller H1Z1 Neulinge die ersten Spielminuten nur damit beschäftigt, Brombeervorkommen abzupflücken. Daher wird für manche H1Z1 mehr ein Brombeersammelsimulator sein, als ein Zombie Schnetzler.

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Überlebende forschen

Schon bald stößt der Spieler von der Überlebenswut gepackt, auf das Handwerk. Anders als in vergleichbaren Survivalgames müssen hier aber nicht erst Baupläne gesucht werden, sondern diese werden durch die Kombination verschiedenster gefundener Gegenstände erforscht. Steckt man z.B. ein Metallblech, einen Fetzen Stoff oder ein Brett ins Discovery Menü, so ergeben sich daraus Werkzeugrezepte oder Gebäudeteile.

Trotz Early Access ist schon einiges an Gegenständen im Crafting vorhanden. Von kleinen Holzhütten und Speeren bis hin zu metallenen Stelzenhäusern und Bögen ist vieles möglich. Zusätzlich zu selbst hergestellten Gegenständen, lassen sich seltenere Objekte im Lootbeutel von Zombies oder den Gebäuden finden. Das sind dann z.B. ein genauer Kompass, Munition, Militärrucksäcke und mehr.

Die untoten Schleicher sind zahlreich in Städten und vereinzelt an Straßen und Campingplätzen auf der Map vorhanden, sodass für jeden genug zum Schlachten und Looten dabei ist. Ein gut gezielter (Bogen-)Headshot reicht aus, um sie niederzustrecken. Ihre Animation ist noch nicht perfekt, vom Design sehen die H1Z1 Zombies aber deutlich besser aus, als die DayZ Konsorten.

Ein bisschen vermisst man allerdings noch das Seuchen-Feeling, wie es in Titeln wie The Last of Us brillant umgesetzt war. Hin und wieder gibt es Gekrakel auf Tafeln wie „Ich wurde gebissen! Bleib vom Haus fern“, jedoch entsteht nicht das Gefühl, dass eine gravierende Krankheit umhergeht. Hier sollten die Entwickler noch etwas Arbeit ins Setting stecken und nicht nur Verfall darstellen, sondern auch die Geschichte wie es dazu kam.

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SOE’s Updatepolitik

Positiv lässt sich anmerken, dass viele Bugs von SOE so schnell wie möglich ausgebessert werden. Updates erfolgen seit Release sehr regelmäßig und bringen dementsprechend auch jedesmal große Veränderungen mit sich. Leider ist bis zum Erscheinen dieses Previews das Problem mit dem nicht respawnenden Loot immer noch nicht gelöst. Jedoch soll dafür in den nächsten Tagen ein Patch erscheinen. Auch an anderen Bugs wird zusammen mit der Community gearbeitet. Wer etwas entdeckt, kann den Fehler im Issuetracker (Link) melden und dann den Werdegang von bestätigt bis ausgemerzt verfolgen. So wird der Early Access konsequent in der richtigen Weise genutzt.

Spielerisch ist H1Z1 eine Kombination aus der DayZ Standalone, Infestation: Survivor Stories und anderen Zombie Survival Games. Überall hat man sich so das Beste herausgepickt. Die Landschaft und Optik aus DayZ, Loot und Zombies sowie die Monetarisierung aus Infestation und das Crafting aus anderen Games wie 7 Days to Die. Trotzdem fühlt es sich so an, als würde H1Z1 wie ein eigenständiges Spiel dastehen, auch wenn Fans der jeweils genannten Games überall Ähnlichkeiten feststellen werden.

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Die viel kritisierte Monetarisierung bekommt man ingame gar nicht so oft zu spüren, wie der geneigte Motzer meint. An den Airdrops wurde gewaltig geschraubt. Sowohl an der hörbaren Reichweite, als auch an der erforderlichen Spielerzahl, sodass die Wettbewerbssituation noch krasser wurde. Zudem besteht nur noch eine geringe Chance an den übermächtigen Loot zu kommen, denn es kann gut passieren, dass nur ein Airdrop mit 5 Flaschen Wasser und 5 Bandagen fällt. Dafür wird nicht jeder bereit sein 5€ oder mehr auszugeben. Waffen wie Pistolen lassen sich auch während des Spielens sehr leicht finden, sodass diese Mikrotransaktion gar nicht nötig erscheint.

Auf dem PVE Server lässt es sich komplett ohne Airdrop spielen, denn hier muss sich nicht gegen Mitspieler durchgesetzt werden, es findet sich alles in den Städten. Selbst auf dem PVP Server sind viele Leute friedlich, und wenn einen der Tod einmal ereilt, so passiert das häufiger durch Holzpfeile aus dem Bogen, als durch übermächtige Kugeln eines Snipergewehrs. Natürlich kann das von Server zu Server variieren.

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Fazit Shatiel:

Trotz Early Access ist H1Z1 ein sehr spielenswertes Game. Zwar werden viele sich scheuen, 20€ oder mehr für ein Early Access Game auszugeben, das später einmal Free 2 Play werden wird, aber bisher kann ich nur sagen, dass es sich lohnt. Die Bugs halten sich sehr in Grenzen, so richtig grobe Schnitzer, bei denen das komplette Spiel abraucht, sind mir nicht untergekommen. Die kleineren Bugs werden wie schon beschrieben, sehr schnell in Updates beseitigt. Bei den Airdrops denke ich, dass SOE zu viel auf die Motzer und MiMiMi-Sager hört, die das Game wahrscheinlich gar nicht besitzen und einfach nur stänkern wollen. Ein bisschen muss doch ein Vorteil entstehen, wenn man schon Echtgeld in das Game steckt. Momentan ist der Airdrop einfach nur Geldverschwendung, welche kaum Gewinn bringt und wohl eher ein Nischenprodukt wird. Daher denke ich, dass in Zukunft die Airdrops auch wieder milder gestaltet werden. Super sind die PVP/PVE Aufteilungen bei den Servern, denn ich als friedlicher Spieler, baue auch lieber im PVE eine kleine Basis, bevor ich mir die Frustration PVP antue. An manchen Stellen fällt zwar auf, dass die Priorität bisher mehr auf der Funktionalität des Games, als auf der Optik lag (z.B. gleichmäßig karge Landschaft, langweilige Hauseinrichtung), jedoch macht das für die Spielbarkeit keinen Unterschied. Für mich hat SOE bisher ein solides Game geschaffen, das viele Stunden Spielspaß bietet und den Vergleich mit seinen Konkurrenten nicht zu scheuen braucht.

Potential: Sehr gut

Getestet auf: PC

 

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